Integration und Bürgerengagement

altIn Partnerschaft mit der Stiftung „Westfaleninitiative“ gab der FLVW am 19. November einen Zwischenbericht über seine Projekte und Anstrengungen zur Integration.Mit Hilfe der Universität Münster ging es um eine erste wissenschaftliche Auswertung zweier Fallstudien aus dem Kreis Meschede und Münster.

von links: Klaus Jahn, Michael Lichtnecker, Prof. Dr. Dieter Jütting, Dr. Niels Lange


Eingebunden waren diese Berichte in weitere kurze Darstellungen zum Thema Integration und Bürgerengagement. So begann Uwe Schnelle, der Vorsitzende des FC Augustdorf aus Lippe mit einem Bericht über seinen 370 Mitglieder starken Verein. Hier finden sich vor allem sogenannte Spätaussiedler und türkischstämmige Jugendliche ein. Die unterschiedlichen Lebensformen beider Gruppen treten deutlich hervor, so Uwe Schnelle. Er berichtete nüchtern unaufgeregt und machte klar, daß große Erfolge in dem Sinne, daß man einen Hebel umlegen könne, nicht zu erwarten seien. Integration, Einbindung habe mit Zeit, Geduld, Überzeugung und leider auch mit Rückschlägen zu tun. Die Zuhörer verstanden.Kann es sein, dass schon beim ersten Vortrag eine Einsicht reift?  Nämlich die Erkenntnis, daß es seriös wahrscheinlich gar nicht anders geht, als hartnäckig unspektakulär die Annäherung der Kulturen auch im Fußballverein immer wieder mühsam anzuschieben? Die beiden Fallstudien des FLVW und der Westfaleninitiative kommen aus Münster und aus dem Sauerland.alt
Im Münsteraner Problemstadtteil Angelmodde gab es den Versuch, einen Stadtteilverein, der gegründet worden war, um die sozialen Strukturen zu verbessern, durch den Aufbau einer Fußballabteilung zu stärken. Über diesen Weg sollte die Eigeninitiative aus dem Milieu gefördert werden. Leider ist dieses Projekt nach zwei Jahren fast gescheitert. Dr. Guido Kellermann, der den Versuch unter dem Namen„ Waldsiedlung“ wissenschaftlich begleitet hat und nun vorträgt, nennt strategische Erkenntnisse:

Beim Aufbau einer Fußballabteilung sind klare Rollenverteilungen zwischen Trainern, Helfern und Vorstand absolut notwendig!! Andere Integrationsnetzwerke müssen einbezogen werden, um Jugendliche zu gewinnen und zu binden.Und wenn Dr Kellermann von den vielen in bester Absicht verschenkten Trainingsmaterialien spricht, so bemerkt er heute, daß eine Anerkennungskultur auch am Projektstart schon unerläßlich gewesen wäre. Leistung und Gegenleistung hätte es heißen müssen, Trikotgeschenk nur bei Trainingsfleiss! Immerhin sind aus dem neuen Verein mehrere Jugendliche in höher spielende Vereine gewechselt. Vielleicht gibt es dort doch noch eine bessere Sozialisation über den Fußball, wenn auch nur für wenige.

Im zweiten Fallbeispiel aus dem Sauerland ging es um Anadolu Ramsbeck. Der Verein hat eine lange Leidensgeschichte mit vielen unschönen Vorfällen und Ausschreitungen hinter sich.Hier konnte man gut darüber streiten,ob das rabaukenhafte Verhalten das Problem ist oder die fehlende Bereitschaft sich verantwortlich einzubringen? Schafft Integration das Rabaukentum ab? Hier kam die Diskussion langsam in Schwung.Diejenigen, die gekommen waren blieben nachdenklich zurück: Keine einfachen Lösungen in Sicht!

Niklas Schenk, einer der Sportstudenten aus Münster, der die Veranstaltung mit Prof. Jütting begleitet hatte, war nicht nur vom Engagement der Vortragenden beeindruckt. Er gestand dem FLVW und jedem einzelnen Teilnehmer der Tagung, dem verantwortlichen Michael Lichtnecker und Niels Lange von der Westfaleninitiative auch Anerkennung zu:für die ernsthafte mühsame Anstrengung, sich mit den zur Verfügung stehenden Mitteln für ein verbessertes Miteinander in der Gesellschaft einzusetzen.

Text und Bild: Ulrich Clemens